„Aber ich KANN DOCH GARNICHT TAPEZIEREN!?!“ oder: Tapetenjenga.

Renovieren wollten wir. Streichen, schlichtes Weiß, ein paar neue Möbel, alles ein wenig auffrischen.
Streichen.Ja. In den ersten beiden Zimmern ging alles gut. Im Wohnzimmer passierte dann DAS:

Die Tapete ist von der Wand gefallen.

Wir hatten brav alle Ecken vorgestrichen und kaum mit der Decke angefangen, als uns selbige entgegen kam. Am Stück schälten sich direkt mehrere Tapetenbahnen von der Wand, die alten Farbschichten flogen in dicken Platten durch die Gegend. Es offenbarten sich abenteuerlich geschichtete Lagen aus verschiedenen Tapeten, Farbe, Putz, Lack und alten Zeitungen. Letztere stammten aus dem Jahr 1971, als das Publikum über einen Elfmeter für den MSV empört war und der VfL Bochum gegen Düsseldorf verlor.

alte WAZ

1971!! 1971 wurde hier das letzte Mal ordentlich renoviert. Das würde dann erklären, warum unsere Tapeten plötzlich auf dem Boden lagen, anstatt wie normale Tapeten an Wand und Decke zu hängen. Nach 41 Jahren sind also wir die armen Säcke, die beim Tapetenjenga verlieren. Und zwar haushoch. Oder besser Raum-hoch.
Die Tapeten lagen also am Boden. Und ich? Ich kauerte derweil schon verzweifelt in der Ecke, den Tränen nah Rotz und Wasser heulend, „Aber ich kann doch garnicht tapezieren!“ skandierend.
Anstatt mich zu erwürgen ergooglete sich mein vorbildlicher Ehemann ein solides ausreichendes Tapezier-Grundwissen, packte mich am Pattschehändchen und machte mit mir einen Großeinkauf in der Tapezierabteilung im örtlichen Baumarkt. Viel Tapete mussten wir nicht mehr von den Wänden kratzen. Aber mit Grundierung, Tapezieren, Streichen, ordentlichen Trockenzeiten und jede Menge Chaos drumherum hat uns die Wohnzimmer-Renovierung sehr viel Zeit, Geld und Nerven gekostet.
Doch nun, nach einer ganzen Woche Fast-Food und zu vielen ‚morgen höre ich wieder auf‘-Zigaretten, sind meine Nägel runiniert, meine Wonzimmerwände weiß und wir um einige Erfahrungen reicher.
Demnächst werde ich mich an unseren Flur wagen. Streichen. Und wenn da die Tapeten von der Wand fallen, nagel ich sie einfach fest. Denn Tapezieren ist ein Blödmann und ich will nix mehr damit zu tun haben!
Jetzt guck ich aber erstmal noch ein wenig mein Wohnzimmer an. Stolz.

Ich muss nur noch kurz das Wohnzimmer retten.

So kann’s gehen. Für den September hatte ich viele tolle Ideen. Sogar ein Motto! Und dann verlieren wir hier beim Tapeten-Jenga und alles bleibt stehen und liegen, während wir uns an die Rettung des Wohnzimmers machen.
Sobald wir die Situation im Griff haben geht’s hier wieder rund. Dann gibt es wieder was zu lesen, was zu gucken und vielleicht sogar was kleines zu gewinnen. Ich erkläre euch dann, was Tapeten-Jenga ist und lasse dem Indianerfriedhofs-Renovierungs-Drama einen weiteren Akt folgen.
Bis dahin empfehle ich euch das hier.
Viele Grüße von der Tapezierfront! Ellen

Renovieren. Oder: Die Liebe überwindet alles.

Während ich auf dem Sofa kauere und diese Zeilen tippen sollte ich eigentlich die Massen an Kram aus unserem Wohnzimmer räumen, die sich in den Regalen und Ecken stapeln.
Denn:
Wir renovieren.

Lack zum renovieren.

„Wieso sollte man soetwas denn tun?!“ wird jetzt der ein oder andere Klugscheisser fragen.
Ich fürchte, da spricht der aktuelle Zustand unserer Wohnung für sich selbst. Die Jahre mit verfluchtem Indianerfriedhof unter einem Dach haben ihre Spuren hinterlassen. Löcher in den Wänden, Wasserflecken, Stromkabelgedöns auf der Wand, kaputte Tapete, vergilbter Anstrich, olle Möbel…
Also renovieren. Ich meine, man gönnt sich ja sonst nix!
Wir haben uns also für viel Geld im Baumarkt unseres Vertrauens umme Ecke, weil wir ham ja kein Auto, mit Farbe und Pinseln und Folie und Abstreichgitter und Rolle und Teleskopstange und Lack und Kreppklebebenad eingedeckt. Und schon beim nach hause schleppen keinen Bock mehr gehabt.
Zuverlässiger als jeder Urlaub ist so eine Renovierung ein perfider Test für Paare und solche, die es werden wollen. Zwischen Pannen und Potenzgerangel fällt da selbst bei gefestigten Ehen schnell schonmal was in Richtung „Scheidung“.
Grundsätzlich wollen wir beim Streichen an der jeweils anderen Zimmerseite anfange. Ich räume unser Hab und Gut grundsätzlich dahin, wo es Ihm im Weg steht. Er macht sowieso alles verkehrt. Beim Lackieren ist er viel zu ungeduldig. Ich arbeite an zehn Fronten gleichzeitig und mache nichts so richtig richtig. Ich bin langsam, er wird grantig, ich bin beleidigt. Die Wand wird streifig und wir sind mehr damit beschäftigt einander die Schuld daran zu geben, als das Malheur zu beseitigen.
Doch irgendwann ist jede Wand gestrichen und jedes Regal lackiert. Mit den Farbresten aus den Pinseln wird auch die schlechte Laune den Abfluss runter gespült, spätestens nachdem die Möbel wieder an ihre Plätze gerückt wurden haben sich alle wieder lieb.
Arm in Arm betrachtet man schließlich das vollendete Werk, der Mühen Lohn. Und alles ist gut.

Um möglichst schnell zu dem „und alles ist gut“ Teil zu kommen sollte ich jetzt mal anfangen, das Wohnzimmer auszuräumen. Hätten wir nur nicht so furchtbar viele Bücher… Aber das ist eine andere Geschichte.
Ellen

Indianerfriedhof.

Wir, also mein Mann und ich, sind stolze Besitzer eines transportablen Indianerfriedhofes.
Wie sonst kann es sein, dass wir bisher ausschließlich in verfluchten Wohnungen gelebt haben?
Ganz klarer Fall von Indianerfriedhof. Die rastlosen Geister amerikanischer Ureinwohner ziehen mit uns von einem Ort zum anderen und verwandeln jede Traumwohnung aus bösartigen Rachegelüsten jedes Mal über kurz oder lang in eine Bruchbude.
Da wären bisher: Junkies und Schäferhund-große Ratten im Hinterhof, unerklärliche Brandlöcher im neuen Teppichboden, blanke Stromkabel-Enden hinterm Badezimmerspiegel und daraus resultieren ein wunderhübscher Funkenregen bei Kondenswasserbildung, ein sehr löchriges Dach (Und wir in der Dachgeschosswohnung. Natürlich.) mit anschließendem Monster-Schimmel-Befall, daran anschließend ein Gerichtsverfahren, ein Friteusenbrand (Kurz nach unserem Auszug, aber ich erkenne ein Muster!), verrottete Stromleitungen mit drohendem Kabelbrand, eine undichtes Klo-Rohr und letzte Woche schließlich, DAS:

Ein Wasserfleck auf der Badezimmerwand neben der Hauptwasserleitung.

Ein Wasserfleck. In unserem Badezimmer. Neben der Hauptwasserleitung.
Wir, mit unseren Handwerken mittlerweile schon per Du, natürlich sofort fachmännische Hilfe beordert. Bei der Handwerksfirma scheinen wir nach all den Wohnungstraumata nun unter „DIE schon wieder“ zu laufen und mussten trotz drohender Überflutung bis heute auf dein Einsatz von Super Mario warten. Unser Mario ist Deutsch-Türke und kein Italo-Amerikaner, hat keinen Schnurrbart und er heißt auch garnicht Mario. Aber sonst ist die Ähnlichkeit frappierend, ehrlich! Naja, Klempner ist er immerhin…
Und ebenjener hat nicht lange gefackelt und ZackBumm die Wand zerkloppt. Die Wand sieht jetzt ungefähr so aus:

Loch in Badezimmerwand.

Ein tolles, tolles Loch. Und in dem Loch ein Rohr. Und in dem Rohr? Genau! Ein Loch.
Ein Loch von einem Dübel, um genau zu sein. Inklusive Dübel. Und das Rohr? Nicht die Hauptwasserleitung der Wohnung, wie wir befürchteten, sondern die Abwasserleitung von der Wohnung über uns. Lecker. Das war also Abwasser an unserer Wand. Und nicht unser eigenes. Igitt.
Jetzt grade flext unser Mario-Verschnitt das Rohr aus der Wand um dann unlöchrigen Ersatz einzubauen. Und für nächste Woche hat er mir einen Kollegen versprochen, der kommt und das Loch in der Wand weg zaubert. NÄCHSTE WOCHE SCHON! Ich kann vor Freude kaum an mich halten.
Bis dahin werde ich mich jetzt noch ein bisschen über tote Indianer schlau machen. Wer von euch eine effektive Methode zur nachhaltigen Besänftigung indianischer Geister weiß, der möge mich bitte darüber in Kenntnis setzen. Und für alle Fälle suche ich mir bald einen Heimwerkerkurs. Mit einem Indianerfriedhof im Schlepptau sollte man auf alle Katastrophen vorbereitet sein.
Indianischer Tool-Time-Gruß an alle Klempner! Ellen.
(Bin ich eigentlich die einzige, die das Wort „Klempner“ lustig findet?)