Courage.

Morgen ist mein letzter Arbeitstag als ‚Azubi‘. Und während es eine riesen Erleichterung ist zu wissen, dass ich diese Sache endlich (nach einem knappen halben Jahr…) hinter mir habe, habe ich plötzlich doch richtig Schiss vor meiner eigenen Courage.
Eine Ausbildung hinschmeißen ist kein Pappenstiel. Langsam kommt die Sorge doch durch. Ob mich noch irgendwer einstellt? Mit 25 und ohne abgeschlossene Ausbildung? Ob wir im März noch die Miete bezahlen können? Ob ich jemals eine Arbeit finde, die mich glücklich macht?
Grade hatte ich einen mittleren Zusammenbruch, nachdem mir klar (gemacht…) wurde, dass die nächste Zeit kein Zuckerschlecken ist. Vor lauter Euphorie, was Neues anzufangen und etwas ungeliebtes hinter mir zu lassen, habe ich all die Tücken solcher Sprunghaftigkeit erfolgreich vergessen. Oh man.
Was macht ihr, wenn euch die Realität mal wieder voll erwischt? Wenn ihr merkt, dass eure Träumereien ein bisschen fehl am Platz sind, wenn sie euch daran hindern weiter zu kommen? Wenn ihr auf einmal an Entscheidungen zweifelt?
Oder bin ich die Einzige, der das passiert?
Habt ihr euch noch nie vor eurem eigenen Mut erschreckt?
Ziemlich sicher werde ich meinen Platz früher oder später finden. Meine Welt wird nicht untergehen und wir werden weder verhungern noch obdachlos sein. Aber bis dahin muss ich mich vielleicht ein klein wenig zusammen reißen und das Tagträumen sein lassen. Die kleinen Träumchen und Illusionen fahren lassen für das große Granze, sozusagen.
Jetzt brauche ich aber erstmal Schokolade und einen guten Film, bevor ich mich wieder aufsammel und weitermache. Mit Courage. xoxo. Ellie

Davon, wie es ist mit 25 nochmal eine Ausbildung anzufangen. (Und sie wieder abzubrechen.)

Ich weiß nicht, was mehr Mut braucht. Mit 25 die Uni schmeißen und nochmal als Azubi anheuern? Oder nach 5 Monaten die Ausbildung abbrechen und ohne genaue Vorstellung von Zukunft da stehen?
Für beides muss man wohl Arsch in der Hose oder eine Schraube locker haben.
Nachdem ich diverse Semester erfolgreich mein Studium vernachlässigt habe und Erfahrung höchsten in den stumpfsinnigsten Studentenjobs (Marktforschung olé!) gesammelt habe war der Zeitpunkt gekommen den Tatsachen ins Auge zu sehen: Uni ist kein französischer Autorenfilm. Und auch keine amerikanische Fernsehserie. Uni ist kein Spaß und Uni dauert lange, wenn man es nicht richtig macht. Zu lange.
Deshalb habe ich gegen Ende des letzten Frühjahrs beschlossen, dem ganzen ein Ende zu bereiten und es mit harter, ehrlicher Arbeit zu versuchen. Eine Ausbildung schien der bessere Weg zu sein.
Da die wenigen Scheine, die ich absolviert habe, mich als Studentin der Literaturwissenschaft auswiesen, lag der Beruf der Buchhändlerin irgendwie nah. Ich liebe Bücher, lese gerne, schnell und viel und hab einige Erfahrung im Verkauf.
Und tatsächlich: Nach nur wenigen Bewerbungen, einem Tag Probearbeiten und einem kurzen Praktikum hatte ich den Vertrag in der Tasche.
Sechs Wochen Urlaub im Jahr, Berufsschule lässt sich per Fernlehrgang erledigen und die Ausbildungszeit lässt sich auf 2 Jahre verkürzen. Klang in meinen Ohren ziemlich gut.
Die ersten Wochen waren toll. Man hat mir direkt viel Verantwortung übertragen, ich bekam schnell eine eigene Abteilung, durfte Bestellungen machen, eigene Veranstaltungen ausrichten. Sogar die Kommunikation mit Autoren wie Ilija Trojanow hat man mir ganz überlassen. Wow.

Nur leider bin ich abolut unzufrieden mit meiner Wahl. Ich darf vieles tun und Ausprobieren, nur leider ohne Anleitung. Obwohl es anders angekündigt war habe ich während der Arbeit keine Möglichkeit, meine Schulaufgaben zu machen.
Freizeit ist ein mehr als knappes Gut, wenn man seine Ausbildung nach Feierabend im Alleingang vollzieht. Und wie es qualitativ um eine solche „Ausbildung“ steht kann man sich wohl denken. Ich hatte gehofft von guten Leuten zu lernen und nun lerne ich von mir selbst. Ich kann einiges, aber Buchhandel eben nicht. Und dabei wird es wohl auch bleiben.

Der Beruf „Buchhändler“ ist schön, aber nicht meine Leidenschaft. Viel näher an „Verkäufer“ als an „Buch“, als ich es mir je vorstellen konnte.
Ist es blöd eine Ausbildung abzubrechen? Auf jeden Fall. Fühlt man sich wie ein Versager, wenn man nichts zu Ende bringt? Definitiv. Soll ich deshalb etwas tun, das mich gelinde gesagt kreuzunglücklich macht? Ich denke nicht.
Deshalb ist dieses Abenteuer für mich schon zu Ende, bevor es richtig begonnen hat.
Das nächste wartet bestimmt. Und ich werde mich hüten, den nächsten Schnellschuss zu tun und dieses Mal gut überlegen, womit ich meinen Lebensunterhalt bis zur Rente bestreiten möchte.
Was ich aus der Sache lerne?
Überlege dir gut, was du anfängst.
Es lohnt sich, Dinge auszuprobieren bevor man Verträge unterschreibt.
Wenn du während der Probezeit ernste Zweifel bekommst kann es klüger sein zu kündigen.
Lass dir nicht alles gefallen.
Gib zu, wenn du falsche Entscheidungen getroffen hast. Und triff eine neue Entscheidung.
Manchmal wächst man an den Dingen, die man aufgibt. xoxo. Ellie

Das fängt ja gut an…

Direkt in der ersten Woche muss ich feststellen: Die Zeit zum Bloggen ist rar gesät, wenn man einer geregelten Arbeit nachgeht. Kaum kommt zu meinen 10 Stunden Tagen noch etwas dazu, bleibts hier leer.
Aber dafür gibt’s dann bald auch viel zu erzählen:
…von einem Abend mit der wahnsinnig netten Petra Diaz, die heute Abend in Essen bei der Heinrich Heine Buchhandlung aus Ihrer „Kulinarischen Weltreise“ liest – und kocht :)
…von meinem Wochenendtrip nach London. Freitag früh geht’s los und ich bin schon wahnsinnig aufgeregt. Die Queen! London Eye! Stomp! Shoppen! Weihnachtskitsch! Unser Programm ist voll. Yay! Gibt es irgendwas, das ich auf garkeinen Fall verpassen darf? Lasst hören :)
…davon, wie es ist, wenn man mit 25 nochmal eine Ausbildung anfängt. Und wie es ist, einen Fernlehrgang zu machen, anstatt zur Berufsschule zu gehen.

Und womit packt ihr euch den Advent voll? Erzählt’s mir! xo. Ellie