Wer das liest ist doof! Oder zumindest selber Schuld.

Im Kielwasser einer heftigen Diskussion um angemessenes Onlineverhalten kam mir dieser Artikel unter die Nase.
Aussage: Von Medienkompetenz zeugt nicht, zu wissen, was und wie man im Internet von sich gibt, sondern zu wissen was man im Internet liest. Und wie.
Öhmm… ja.
NEIN! Wenn sich einer hinstellt und riesig viel Mist erzählt, dann kann der Fehler an der Sache doch nicht bloß sein, dass das einer liest. Und wenn sich dieser jemand mit seinem Misthaufen auch noch in die Öffentlichkeit stellt, dann muss er auch damit rechnen, dass andere Laute das nicht so toll finden. Wer im vollbesetzten Zug in sein Handy brüllt macht sich auch eher keine Freunde.
Natürlich gehört zu so etwas wie Medienkompetenz auch, dass man seine Quellen filtert, weiß wie man das Gesagte jeweils einzuschätzen hat. Aber Kompetenz muss doch schon in dem Moment anfangen, wo ich den Mund aufmache. Letztendlich ist doch niemand anderes für meine Aussagen und die Art und Weise der Äußerung verantwortlich als ich selbst.
Wenn ich nackich übern Marktplatz renne, dann muss ich damit rechnen, dass die Leute schimpfen. Das Internet ist größer als unser Marktplatz und so mancher Seelenstriptease bei Twitter sehr viel peinlicher als ein blanker Schniedelwutz.
Und für alle Nudisten gibt es auch im Internet geschützte Räume, in denen man in aller Ruhe alle Hüllen fallen lassen kann. Oder man ist anonym, denn auch das ist im Internet ja glücklicherweise möglich. Aber so oder so muss man damit rechnen, wenn man hier Dinge in die öffentliche Online-Welt posaunt, dann kommt da vielleicht auch ein Echo.
Das heißt nicht, dass man Selbstzensur bis zum bitteren Ende betreiben soll, ganz und garnicht. Natürlich soll man seine Meinung sagen, wenn man das möchte. Und wer Livetweets vom Klo senden will und noch ein nettes intsagram-Bildchen vom erledigten Geschäft anhängt, bitte. Auch dafür gibt es sicher ein Publikum (wenn auch ein kleines, wie ich verzweifelt glauben mag).
Wer wie womit recht hat und ab wann wieviel zuviel wird, darüber lässt sich dann vortrefflich streiten. Dann kann man dann seinen Standpunkt verteidigen und stolz auf seinem riesigen Misthaufen stehen. Oder man erkennt, dass anders vielleicht doch besser ist. Jeder ganz nach seiner Fasson. Aber man kann sich doch nicht hinstellen und sagen: „ Ja, was ich hier rede ist ziemlicher Stuss, aber du bist ja noch viel dümmer, weil du das überhaupt liest. Bist du zu inkompetent, einen Filter zu benutzen?“.
Und wenn ich mir schon die Kompetenz angeeignet habe, die Informationen aus dem Internet zu filtern, dann ist es doch um so ärgerlicher, wenn einer, dessen Meinung mich grundsätzlich interessiert, sich selbst vor lauter Spam ganz und gar unleserlich macht. Da hat ja dann garkeiner mehr was von, oder? Filtern als letzte Bastion, als Notwehr der Online-Kommunikation ist doch für beide Seiten eher unschön. Wer will den schon die eigenen Ideen und Gedanken auf einer Stufe mit penetranter Werbung für Viagra und Penis-Vergrößerung sehen?

Um es kurz zu sagen: Dumm ist immernoch der, der Dummes tut. Und nicht der, der die Dummheit als solche erkennt und beim Namen nennt.

37 Gedanken zu “Wer das liest ist doof! Oder zumindest selber Schuld.

  1. Interssant an dieser Frage ist ja: Was ist ‚dumm’? (Was ist zuviel, zu intim, zu whatever)? Und wer bewertet es?
    Ich liebe am Internet, dass es mir zeigt, wie vielfältig die Welt ist. Und wenn irgendjemand mir erzählen möchte, dass sich auf der Rückseite des Mondes die Nazis auf ihre Rückkehr zur Erde vorbereiten, dann soll er das tun.
    Das zeigt mir hauptsächlich, wie groß die Welt und wie klein ich bin.

    Das Web zeigt mir, dass es immer mehrere Wahrheiten gibt. Manche vielleicht schwerer zu ertragen. Und dafür muss jemand diese anderen Wahrheiten auch reinschreiben.

    (Und damit höre ich auch wieder auf, denn natürlich hast Du auch Recht :)

    • Die Bewertung eines Sachverhaltes liegt immer beim Rezipient. Was dumm ist liegt also auch immer im Auge des Betrachters, wobei in der breiten Masse zu bestimmten Dummheiten mal mehr und mal weniger Einigkeit herrscht. Ich will kein Geschmacksdiktat, ich will uns nur nicht alle von der Verantwortung für unsere Äußerungen entbinden, weil es Filter gibt, die das irgendwie wieder richten könnten.

  2. Ich muss gerade kichern, weil ich an die Wandbeschriftung denken muss, die ich heute früh gesehen habe und die toll zu deinem Titel passt: „Wer das liest, ist ein Penis.“ 😉

    Abgesehen davon hast du natürlich irgendwo recht – in erster Linie sind diejenigen, die Scheiße ins Internet stellen, Schuld an dieser Scheiße.
    Allerdings muss man halt auch immer für sich selbst entscheiden, wieviel davon man sich dann geben will. Man muss nicht jeden Kampf kämpfen, und man muss eben auch nicht jeden Text lesen und in sich aufnehmen. In einer Zeit mit einer derartigen Informationsflut gehört zur Medienkompetenz eben auch das Filtern ganz vorne mit dazu. Ich kann nichts daran ändern, dass Idioten Scheiße ins Netz stellen. ABER ich kann definitiv was daran ändern, dass ich das lese. Wenn ein Essen mir Übelkeit verschafft, esse ich es ja auch nicht.

    • Aber ich muss dem Koch doch auch sagen dürfen, dass seine Suppe haarig ist, auch wenn ich nicht ausdrücklich nach dem Haar gesucht habe und besonders, wenn ich mich sehr auf die Suppe gefreut habe.

      • Darfst du. Aber du musst dir überlegen, ob dir das deine Kraft wert ist. Denn die ist begrenzt, ebenso wie deine Lebenszeit – wieviel Zeit willst du damit verbringen, dich bei irgendwelchen Köchen zu beschweren, anstatt dort einfach nicht mehr zu essen?

        • Ich rede ja auch besonders von Köchen (schönes Beispiel übrigens), bei denen es mir eigentlich schmeckt, oder bei denen ich wirklich gerne mal essen würde. Ich will ja garnicht alle Köche als Ekel enttarnen. Aber verkehrt liegt der eklige Koch und nicht der Gast mit dem Haar in der Suppe. Der muss sich auch beschweren dürfen. Ob man selbst jetzt der Typ zum Beschweren ist, ist wieder eine andere Geschichte.

          • In dem Fall – ja. Da macht dann natürlich noch der Ton die Musik (es gibt ja gewisse Feedback- und Höflichkeitsregeln), aber natürlich wirst du, wenn du dich gerne von deinem Mann bekochen lässt und der es einmal voll verkackt, schon was sagen. Vielleicht ist das Bild auch dafür gut: Geh mit Leuten kritikmäßig so sanft um, wie du es mit Freunden tätest, die du noch ein Leben lang behalten willst.

            Wer zu Essen „Hmmmm“ sagt, das Koriander enthält, täuscht auch Orgasmen vor. (Soll heißen: Bringt einen nicht weiter, im Gegenteil.)

          • 😀 Den letzten Satz finde ich sehr geil, auch wenn ich Koriander gerne mag. Ehrlich. Und der Ton macht immer die Musik, wobei ich da wohl das ein oder anderer Mal wohl auch eher in die Kategorie „Hart aber Herzlich“ falle. Trotzdem, da geb ich dir völlig recht, Anstand und Höflichkeit sollte man auch im Netz nicht am Login angeben.

  3. Ich beobachte mit Erschrecken, wie sich Offline- und Onlineverhalten einzelner Menschen sich immer weiter voneinander entfernen.
    Die Netiquette ( http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette ) gerät immer mehr in den Hintergrund und das im realen Leben verpönte Verhalten wird online in sämtlichen Facetten ausgelebt.
    Mit dem Hinweis auf die „Onlinewelt“ werden Kritiken niedergeredet und das Verhalten durch das Ausleben im Internet gesellschaftlich legitimiert – dass dieses Verhalten nicht gutgeheissen wird, wird innerhalb dieser Kreise oftmals als eine Ahnungslosigkeit, oder, eine fehlende technische Affinität bemitleidet.
    Mich muss niemand bemitleiden! Ich sehe es so:
    Möchte ich die Updates einer Person empfangen, so kann das aus vielerlei Gründen sein. Sei eine persönliche Bindung im Spiel, ein gemeinsames Interesse oder die Bevorteilung durch empfangene Updates. Nehmen wir an, wir erhalten 50% Informationen, die für uns, unabhängig des Grundes für den Empfang von Updates, interessant sind. Was machen wir mit den anderen 50%? Entscheiden wir uns dafür, dem Menschen (wenn auch nur durch ein Blockieren, durch ein Muten, durch ein Verbergen) den Mund zu verbieten?
    Dann würden uns auch die 50% für uns nützlicher, interessanter, ansprechender Informationen verloren gehen. Also: Alles oder nichts!
    Dann also nichts? Das kann doch nicht gewollt sein?
    Kann wirklich das Ziel sein, stolz behaupten zu können, dass man niemanden störe, weil man gemutet ist? Im Ernst?
    Sollte dieses nicht zum Nachdenken anregen? Kommen nicht zwangsläufig die Fragen nach dem Sinn der Updates auf, wenn man weiß, dass sie niemand liest?
    Also – ist Muten / Blockieren / Stummschalten die Lösung?
    Würden wir das im realen Leben so machen? Teppichklebeband nehmen, nen fettes Stück abreissen und betroffener Person übers Schandmaul kleben? Ne, wa? Würden wir nicht! Was würden wir tun?
    Ich würde ihn ansprechen. Ich würde sagen: „Hörmal… bin ich im Radio oder wieso quatscht du die ganze Zeit?“ Wahrscheinlich würde ich es netter tun.
    Vielleicht würde ich eine Veranschaulichung mit Werbepost herstellen. Werbung. Prospekte. Whatever. Wieviel davon ist für euch wirklich relevant? Wieviele der Angebote interessieren euch wirklich?
    Angenommen es wären 50%. Aber wir sind nicht in der Lage das vorab zu sortieren. Für uns gibt es nur den Aufkleber „Bitte keine Werbung einwerfen“ oder eben, diesen Aufkleber nicht anzubringen. Also – alles oder nichts!
    Wenn ich könnte würde ich aber sagen „Bitte nur Ikea-Kataloge“. Dann könnte ich selektieren. Kann ich aber nicht, ich kann nur den ganzen Kanal „Werbepost“ muten – oder eben nicht. Aber angenommen wir könnten das – dann könnten wir das, indem wir den Lieferdienst bitten gewisse Regeln zu beachten. Ebenso wie ich es auch in der Online-Welt machen würde. Denjenigen darauf ansprechen. Weil ich denke, dass es ja nicht gewollt sein kann, dass „Bitte keine Werbung“ schreie.

    • YEAH! Lustigerweise bietet dir IKEA genau dafür extra Aufkleber an. Damit du trotz ‚Keine Werbung‘ Schildchen deinen Katalog bekommst. Aber ich will mir doch nicht den ganzen Briefkasten mit Aufklebern zuballern. Und selbst beim Möbelschweden kommt manchmal Werbung, da bin ich versucht die Blau-Gelben zu fragen, ob sie noch richtig ticken. So oder so möchte hoffentlich niemand als 1000. Werbeprospekt wahrgenommen werden, vielleicht nichtmal als IKEA-Katalog. Sondern als Postkarte. Vielleicht sogar Liebesbrief.
      Die Idee mit dem Teppichklebeband finde ich übrigens genial und werde mir gleich mal eine Rolle in die Tasche packen.

  4. Es geht vielleicht weniger um Dummheiten per se, sondern um die Frequenz mit der manche Leute jeden Pups aus ihrem Leben mitteilen. Dies wird besonders dann anstrengend, wenn man mit so jemandem bei Facebook befreundet ist und dieser Jemand nicht nur seine Statusmeldungen aktualisiert, sondern auch noch sein Twittergeschnatter, seine Instagrambilder und dieses automatische „Horst liest das Buch XY und hat jetzt Kapitel soundso abgeschlossen“ sowie dieses „Horst is at Hamburg main station“ einspeist. In einem solchen Fall läuft es darauf hinaus, das man bombardiert wird und sich fragen muss, warum diese Person offensichtlich der Meinung ist, dass dieser ganze Kram in der Menge und in der Kontinuität ständig jemanden interessiert.

    Guck mal, meine Socken!
    Guck mal, mein Brötchen!
    Guck mal, mein Kleid!
    Ich bin grad im Schlafzimmer!
    Jetzt bin ich im Wohnzimmer. Is kalt hier.
    Höre grad eine CD und singe mit!
    Ich kann übrigens total gut singen!
    Ich gucke jetzt ZDF!
    Ich hab mir übrigens heute schon den Kopf gekratzt!
    Hier ein lustiges Katzenvideo!
    Ich habe Hunger!
    Bald ist der Herbst da. Voll Toll!
    Ich habe ein Geheimnis! Mehr sag ich nicht!
    Oh, ein Eichhörnchen!
    Guck mal, meine Bonbontüte!
    Guten Morgen!
    Jetzt bin ich grad am Bahnhof!

    Darf man in einem solchen Fall sagen „Hömma, is n bisskn viel…schalt doch mal nen Gang runter!“ oder ist man total inkompetent, weil man die entsprechende Person nicht einfach auf stumm stellt?!

    Was ist, wenn man die entsprechende Person eigentlich ganz gut leiden kann und ihr keinen Maulkorb verpassen will, weil man sich grundsätzlich den Kontakt wünscht? Ist man dann inkompetent, weil man lieber ein ehrliches Wort wagt, anstatt einfach nur zu denken „Pfff…NERVT…weg damit und stumm gestellt!“

    Ist man inkompetent, weil man aus grundsätzlicher Sympathie zu ertragen versucht? Ist man inkompetent, wenn man das Muten als Demütigung desjenigen ansieht…oder als Schlag mit der Fliegenklatsche auf eine Fliege, die anders nicht Ruhe geben würde?!

    ICH persönlich möchte mich online so verhalten, dass mich niemand als nervige Fliege empfindet, der man nur noch mit der Fliegenklatsche beikommen kann.

    Die Tatsache, dass es die Möglichkeit des Stummschaltens gibt, befreit niemanden aus irgendeiner Verantwortung. Es sorgt lediglich dafür, dass man sich auf seiner etwaigen Dickfälligkeit („Mir doch egal was andere denken!“) ausruhen kann. Wenn man im RL an einem großen Tisch säße, würde man auch nicht ununterbrochen selbstzentriertes, relativ irrelevantes Zeug von sich geben, weil man höflich ist und seine Gegenüber nicht in den Wahnsinn treiben möchte. Würde man es tun, wenn man im RL die Ohren schließen könnte wie die Augen? Würde man dann alles raushauen was nur geht und sich sagen „Pffff…mach doch die Ohren zu, wenn Du mich nicht erträgst!“

    Ich glaube nicht, dass einem dieser Gedanke käme. Schließlich wünscht man sich doch ein nettes Miteinander und nicht ein solches, in dem man selbst als Zumutung empfunden wird!

    Die Stummschalt-Funktion ist höchstens insofern praktisch, als dass sich der eine oder andere darauf berufen kann, um sich möglichst nicht selbst reflektieren zu müssen. Man gibt Eigenverantwortung ab. Verantwortung für das eigene Verhalten. Praktisch? Kompetent?

    Was ich zusätzlich nicht verstehe: Warum teilt man der Welt jeden Pups mit, auch wenn kaum jemand darauf reagiert? Wenn ich 15 Posts raushaue und es erhalten nur 2-3 eine Reaktion…dann sagt das doch etwas aus, oder?

    Abschließend: Wer möchte man sein? Der, der gerne gelesen wird oder der, der so sehr nervt, dass man ihn stumm stellen muss? Einfache Antwort, oder?

    • Wem das nix ausmacht, dass er als nervig empfunden und darauf angesprochen wird, der kann das ja auch gerne so machen. Aber wenn jemand ihn darauf hinweist, dann kann die Nervensäge nicht sagen: „Selber Schuld, filter doch. Oder kannse datt nich?“ Man kann ja nicht die Filtereinstellung des Lesers für die eigene Nervigkeit verantwortlich machen. Dann muss man sagen: „Schade, dass dich das nervt, aber ich gefall mir so“. Vorausgesetzt dem ist so. Sonst kann man auch gerne mal zugeben, dass das einem selbst nicht so bewusst war. Kann und darf zum Glück ja jeder wie er mag. Man muss nur die Konsequenzen für sein eigenes Handeln zu tragen wissen, auch wenn man dann entfolgt wird. Oder als Nervensäge abgestempelt. Aber wenn einer nervt, dann sind das nciht die anderen schuld.

  5. Da ich nicht denke, dass hier noch eine fruchtbare Kommunikation zu Stande kommen kann (ich fürchte, wir reden von zu verschiedenen Dingen) möchte ich nur noch eins sagen: Ich habe nie davon gesprochen, das man nicht mehr dafür verantwortlich ist, was man nach draußen schickt.
    Ich glaube aber fest daran, dass sich da gerade in der Verantwortung etwas sehr stark ändert. Und das gängige Regeln wie „man weiss doch, dass man xy nicht schreibt“ nicht mehr wirklich gelten können.
    Denn wenn auch nur ein instagram, ein Tweet, ein irgendwas mal für irgendjemanden da draußen wertvoll wird, weil er ihn vielleicht ein Jahr später googelt oder sonstwie findet, dann ist es ein guter Tweet gewesen.
    Auch wenn er meinem engsten Follower-Kreis in dem Moment vielleicht einer zuviel war.

    • Das Schöne ist ja, dass Du da entscheiden kannst, was dir wichtiger ist: Der Tweet oder der Follower. Aber du kannst nicht den fehlenden Filter beim Anderen verantwortlich machen. Und ich sehe auch nicht, inwiefern sich da bei der Verantwortung was ändert. Wenn du der nackige Kaiser bist musst du damit rechnen, dass einer aus der Menge aufsteht und sagt: „Aber der hat ja garnix an!“.

    • Sehe ich anders, Christian. Schade, dass Du meinen Beitrag nicht als Grundlage zu einer fruchtbaren Kommunikation ansehen willst oder kannst, aber mein Kommentar bezog sich NULL auf Deinen, sondern auf den eigentlichen Post. Insofern weiß ich nicht, warum Du Dich angesprochen fühlst.

      Wenn man also mit 20 Mann an einem Tisch sitzt und ununterbrochen Eichhörnchen-Geblubber von sich gibt, dann ist das sinnvoll und richtig und wichtig, weil es auf 6 Stunden einen Menschen an diesem Tisch geben kann, der mit einem dieser Sätze etwas anfangen kann?!

      • : Schade, dass Du meinen Beitrag nicht als Grundlage
        : zu einer fruchtbaren Kommunikation ansehen willst
        : oder kannst,

        beides nicht, ich sagte: ich fürchte, wir reden von verschiedenen Dingen. Und so etwas ist dann immer recht unfruchtbar. Da ich aber immer an fruchtbaren Diskussionen interessiert bin (und Du ja offensichtlich auch), melde ich mich später nochmal ausführlicher, jetzt muss ich erstmal weg …
        Aber ich meld mich noch!

        : aber mein Kommentar bezog sich NULL auf Deinen,
        : sondern auf den eigentlichen Post. Insofern weiß ich
        : nicht, warum Du Dich angesprochen fühlst.

        Vermutlich weil Dein Artikel mit einem direkten Link zu meinem Artikeln beginnt? Da komme ich nicht so gut drumrum, mich angesprochen zu fühlen …

        • Christian, jetzt hast du aber nicht geguckt, wer hier was geschrieben hat. Der Kommentar, den du zitierst, der ist von der Juli (der genau das Gleiche passiert ist: Auch sie hat nicht gesehen, wer du bist) Genauer hingucken. Hat auch etwas mit Medienkompetenz zu tun 😉

    • Aber, Christian, grundsätzlich gebe ich Dir Recht: Die Funktion wird immer wichtiger werden, eben WEIL immer weniger Leute sich mit ihrer Außenwirkung auseinander setzen wollen. Insofern ist es vielleicht wie Ellen schreibt „die letzte Bastion“. Aber ich ziehe trotzdem ein direktes, ehrliches Wort vor, damit ich die Chance habe, meine Wirkung zu überdenken, anstatt einen unsichtbaren NERVT-Stempel aufgedrückt zu bekommen.

        • Ja, wenn ich mich hinstelle und verlange, dass jemand nur noch so und soviel kommuniziert, wie ich das will, dann ist das egoistisch. Ich muss aber sagen dürfen: „Wie du das machst, das gefällt mir nicht. Das ist mir zuviel/ zu blöd/ zu frech/ zu stumpf.“ Ohne dann als Antwort zu kriegen: „Ja hör doch weg!“
          Ich will auch sagen dürfen, wenn es mir zuviel wird, besonders wenn ich an den Mitteilungen von jemandem grundsätzlich interessiert bin. Wie der andere mit der Kritik umgeht ist seine Sache, wenn er sich und sein Verhalten gut findet kann er gerne dabei bleiben. Dann kann ich immernoch anfangen zu filtern und zu ignorieren, als letzter Ausweg sozusagen.

          (Hier habe übrigens jetzt ich das Gefühl, dass du von einer bestimmten Person/ Begebenheit sprichst)

          • Nö, tue ich nicht, dazu kenne ich zu viel solcher Situationen – und ich meine sie ganz großzügig alle.
            Und der Rest steht jetzt ganz unten, auch das Ding mit der Kritik und dem Umgang damit :)

    • Und wenn ich dich falsch verstehe und hier gegen Birne wettere während du Äpfel bewirbst, dann klär mich einfach auf! Du darfst mich gerne korrigieren, wo du es für angebracht hälst. Da haben wir beide mehr von. Und ich bin hoffentlich die letzte, die sacht „Ja, hab ich nicht wirklich Recht, is aber so und ich SCHREI JETZT EINFACH LAUTER DENN WER SCHREIT HAT RECHT!“ 😉

    • Ich schreibe meine Tweets nicht für die Zukunft,
      sondern für das jetzt und hier.

      Und wenn ich weiß, dass ich mit gewissen Themen anecke und ich für mich selber beschließe, dass ich mich was jenes Thema angeht, zügeln sollte, dann haue ich den Tweet nicht trotzdem raus, weil ich denke „Hey… in ein oder zwei Jahren, kann der vielleicht doch wem helfen / nützlich sein“.

      • Und wo ist die Grenze, bei wie vielen meiner 600 Follower ein Tweet anecken muss, um ihn nicht zu schreiben? Wenn sich einer beschwert, er 20mal retweetet wird und 579 Leute einfach schweigen, was dann? Wenn sich zehn beschweren? Fünfzig? Hundert? Alle?
        Ich kann doch nicht wissen, für wen das was ich schribe wertvoll ist, auch wenn er bei einigen aneckt. Dafür ist das Web zu groß.

  6. Ich versuchs nochmal.
    (Und vorerst: Ich habe das Gefühl, dass Ihr hier über eine sehr konkrete Situation oder sogar Person sprecht, das mag natürlich täuschen, macht aber die Unterhaltung natürlich schwerer.)

    Mein Artikel beruft sich ja auf einen, den ich vor einem Jahr geschrieben habe, die gehören also irgendwie zusammen. Beide sagen aber:
    Wir alle kennen wahrscheinlich den entrüsteten Ausspruch von irgendwem, der findet, dass man „das aber nun wirklich nicht ins Netz schreiben sollte“. Die Grenzen, was dann genau „das“ ist, sind dabei sehr fließend. Ich kenne Menschen, die sich über die beliebten Mama-Blogs aufregen, wenn dort über volle Windeln oder über die Geburt geschrieben wird – andersherum kenne ich solche Blogs mit hoch-5-stelligen Besucherzahlen; es scheint also durchaus interessierte Leser zu geben.
    Und eine solche Überlegung kann man ja fortsetzen – dem einen hilft mein Liebeskummer-Geschreibsel, weil es ihm zeigt, dass er nicht allein ist, dem anderen geht das furchtbar auf den Sack, weil er keine Lust auf selbstmitleidiges Gejammer hat.
    „Dumm ist, wer dummes tut“ ist ein Satz, der da eine ganz neue Perspektive bekommt, denn: Wer bestimmt, was „dumm“ ist? Welcher meiner 600 Follower?
    Und weiter gedacht: Der eine sitzt alleine zu Hause und freut sich, wenn Twitter ständig neues ausspuckt, der andere nennt das Twitter-Durchfall und hasst es.
    Und aus all dem kann ich doch nur die Konsequenz ziehen, dass es unmöglich ist, meine Tweets, Linkstipps, Nachrichten, whatevers auf ein Publikum auszurichten. Ich kann mich selber nur als das darstellen, was ich bin und mit dem, was ich gerne mitteile.
    (Dass ich damit _nicht_ meine, dass der Sender keine Verantwortung hat, auf Gesetze zu achten, gängige Höflichkeitsregeln einzuhalten, … muss ich nicht wirklich erwähnen? Doch? Ok, ich meine das nicht)

    Ich meine aber, dass sich ganz viele dieser unausgesprochenen Regeln (aka. „das tut man nicht“), die für den einen selbstverständlich sind und für den anderen noch gar nicht, ganz rapide ändern. Denn mein Publikum hat sich Dank der Öffentlichkeit, in der ich mich bei twitter oder facebook bewege um ein vielfaches vergrößert und ich kann als Sender nicht wissen, was für Pseudo-Regeln für diese Menschen alle gelten. Will ich auf alle Rücksicht nehmen, kann ich gleich aufhören zu schreiben, denn irgendwen wird immer irgendwas stören. was den einen langweilt, interessiert den anderen, was dem einen zu häufig ist, ist dem anderen zu selten.
    Und: Der Teil meiner Empfänger / Freunde / Abonennten / Follower, der mich auf Grund meiner Web-Persönlichkeit abonniert hat, der hat sich ja wegen genau meiner Mischung dafür entschieden.

    Jetzt der Perspektivwechsel zum Sender:
    Weitergedacht bedeutet das für mich aber auch, dass ich in meiner Position als Empfänger damit leben muss, dass mich nicht alles, was meine (selbst ausgewählten) Sender so rausschicken, interessiert.
    Der Unterschied ist ja: Im sog. Real Life habe ich meist einen klaren Bezugsrahmen, wenn ich Freunde treffe. Die einen treffe ich nur zum Saufen Samstagsabends, die anderen im philosophischen Debattierklub jeden zweiten Dienstag (und so weiter). Und dass meine Saufkumpel nebenbei auch noch Lokalpolitik machen oder meine Denattier-Partner zu Roboterkämpfen gehen, bekomme ich normalerweise eher nur am Rande mit.
    Wenn ich aber jetzt jetzt im Web jemandem 24h folge, dann erlebe ich automatisch seine ganze Persönlichkeit.
    Und ich finde, ich habe absolut keinerlei Recht, ihm einen Teil davon zu verbieten, nur weil sie mich jetzt auf einmal nervt – auch wenn ich persönlich Politik oder Roboterkämpfe total doof finde.

    Fazit für mich: Entweder ich finde jemanden so interessant (zuerst mal in dem Bereich, wo wir eine Schnittmenge haben), dass ich ihm folge – dann blende ich die anderen Teile aus (oder ich lern sie kennen).
    Oder mich nervt es zu sehr, dass unser gemeinsames Hobby nur einen winzigen Teil des Web-Outputs einnimmt, dass ich es dann wieder lasse. Oder ihn in eine Liste packe, die ich gar nicht zu Gesicht bekomme, wenn ich ein unfollow zu unhöflich finde. Oder ihn in meinem Client mute. Oder einen Filter auf #robotwars setze. Oder … – ich denke, die Idee ist klar.
    Das alles meine ich, wenn ich von dem Wechsel der Kompetenz zum Empfänger spreche. Denn ich habe doch kein Recht zu verlangen, dass sich ein Sender für mich persönlich anpasst, nur weil ich jetzt gerade in meiner Befindlichkeit angepisst bin weil mir seine Themen oder seine Posting-Frequenz nicht passen.

    Und zum Schluss ganz persönlich: Natürlich kenne ich es, wie nervig es ist, wenn jemand, den man vielleicht auch inzwischen (oder noch schlimmer: Schon vorher) persönlich kennt auf einmal Zeugs postet, was einen jetzt aber mal so gar nicht interesiert. Aber zum einen schätze ich die Idee des Webs viel zu sehr, als dass ich deswegen jetzt jemand einzelnen einschränken möchte.
    Und zweitens habe ich darüber schon so unfassbar viel neues und tolles kennen gelernt, dass ich ein solches Ansinnen nur noch traurig für mich selber finden würde.
    (Ich meine jetzt mal im Ernst: Wo käme ich denn sonst in meinem Alltag dazu, mit einer Fremden „irgendwo in ihren Zwanzigerin“ über Medienkompetenz und neue Kommunikationsformen im Web zu diskutieren? Wie großartig ist das denn bitte?)

    • Zunächst einmal: In meinem Post nehme ich eigentlich ausschließlich auf deine beiden Artikel Bezug. Ja, ich habe auch die eine oder andere Person oder Begebenheit dabei im Hinterkopf, aber das war bei dir selbst ja auch der Fall. Mir geht es aber definitiv nicht darum, mich zu einer bestimmten Situation zu äußern, sondern zu der Kernaussage deiner Artikel. Und die habe ich verstanden als:
      Jeder kann ungefiltert alles ins Internet blasen und wenn das einen stört, dann soll der gefälligst einen Filter verwenden. Mal ganz platt und übertrieben zusammengefasst.
      Natürlich ist das Internet grade wegen seiner Vielfältigkeit so spannend! Und ich bin ein absoluter Befürworter von Meinungsfreiheit.
      Mein Blog hat vielleicht zehn Leser. Und selbst wenn es kein einziger wäre: Ich würde weiter meine Gedanken und Erlebnisse hier veröffentlichen, so wie ich das für richtig halte. Und natürlich finde auch ich es irre gut, dass eine Diskussion wie unsere hier grade überhaupt möglich ist!
      Ich will überhaupt nicht darauf hinaus, dass man sich selbst in seinen Äußerungen beschneiden soll. Jeder soll, in gewissen rechtlichen Grenzen, sagen können, was und wieviel er oder sie will.
      ABER: In dem Moment, in dem ich mich öffentlich äußere muss ich damit rechnen, dass ich auf Kritik stoßen könnte. Ich kann nicht verlangen, dass meine Äußerungen bei Nichtgefallen einfach ausgefiltert werden sollen. Ich kann nicht sagen: Wenn dir das hier nicht passt, dann bist du selber Schuld, weil du zu blöd bist eine vernünftige Vorauswahl zu treffen.
      Wenn ich auf Kritik stoße, dann muss ich bis zu einem gewissen Grad damit umgehen. Ich kann entweder sagen: „Schade, dass dir das nicht gefällt, aber ich find mich geil“, die Kritik ignorieren oder ich überdenke mein Handeln. Natürlich muss man sich dabei nicht alles gefallen lassen.
      UND: Wenn ich mich in der Öffentlichkeit äußere sollte ich wissen, dass es nach wie vor gewisse gesellschaftliche Normen gibt, innerhalb derer wir uns bewegen. Auch im Internet gibt es für alles den richtigen Platz. Wenn ich mich bei twitter groß und breit über Analfissuren oder Liebeskummer auslasse, dann muss ich damit rechnen, dass da manche die Nase rümpfen und ein potentieller Arbeitgeber das eher bedenklich findet. Man stellt sich ja auch nicht in der vollen Bahn hin und erzählt von seinem Darmverschluss. Ich denke, dafür gibt es genug Foren u.ä., in denen diese Dinge in angemessener Runde nachhaltig erläutert werden können. Oder man stört sich einfach nicht daran, dass man von anderen als ein wenig verwerflich gehalten wird.

      Und deine Frage, ab wievielen potentiell verärgerten Followern du einen Tweet für dich behalten sollst: Ich hoffe, du twitterst ganz einfach so, wie du das für richtig hälst. Aber wenn du dann allen mi Anlauf vor den Kopf stößt darfst du dich nicht wundern, wenn du entfolgt wirst.

  7. Deine »platte« Zusammenfassung …
    : Jeder kann ungefiltert alles ins Internet blasen und wenn das
    : einen stört, dann soll der gefälligst einen Filter verwenden.
    : Mal ganz platt und übertrieben zusammengefasst.

    … ist zu platt, veranschaulicht aber schön die unterschiedlichen Punkte, über die wir sprechen.
    Ich habe und würde nie die Verantwortung des Senders aufheben wollen. Ich finde sogar, dass die Verantwortung dafür, was und wo und wie man sich äußert, im Internet deutlich höher ist als in einem Zweiergespräch mit dem besten Freund oder auch in dem von mir vielzitierten Verein.
    Dieser Punkt war aber im jawl-Artikel nicht mein Thema – obwohl ich im Moment sehr darüber nachdenke, da etwas nachzuschieben (Thx to you und dieser Diskussion)
    Gerade, sehr aus dem Bauch heraus, geht es da dann viel um das „Wie“ – also darum, dass ich mich als Sender nach gängigen Regeln des Zusammenlebens verhalte, nach der oben irgendwann erwähnten und von mir sehr geschätzten Netikette, von mir aus auch auch nach Kants »Handle stets so, dass Dein Verhalten für alle als Maxime dienen kann«.
    Wo ich aber deutlich meine, dass es sich ändern wird und muss, das ist das „Was“. Ich geh mal zum ersten Artikel zurück – der war ja eigentlich der wichtigere – und bleibe der Einfachheit halber bei den Personen, über die ich da schrieb.
    Die warfen mir vor, dass es doch überflüssiger Kram ist, wenn (genervter Tonfall) »JEDER« »ALLES« ins Web schreibt. Ähnliches klang ja oben in einem Kommentar auch irgendwo an.
    Lustigerweise waren das aber eben auch Menschen, die sich kurz vorher noch gefreut hatten, »was man alles im Web findet«.

    Und da glaube ich, dass wir alle da auf Empfängerseite deutlich toleranter werden müssen – weil sonst heißt es: »Toll, das man alles, was mich(!) interessiert im Web findet«. Und das wäre erstens egoistisch und zweitens recht dumm; dann wäre es nicht das WorldWideWeb, sondern das ChristianInterestWeb. Und wenn sich meine Interessen mal ändern, wenn ich dann mal was über Analfissuren lesen muss stände ich blöd da.
    Von daher glaube ich, dass ich als Leser keinen Anspruch darauf habe, dass mir der Sender gefällt. Und auch nicht, dass ich da einen Anspruch auf Veränderung formulieren kann.
    Kritik hingegen kann und soll und muss bitte jeder immer äußern. Aber etwas zu kritisieren heißt ja auch nicht, dass ich auch Anspruch darauf habe, dass der Kritisierte dann auch bitte alles sofort nach meiner Meinung ändert.

    Du gehst, glaube ich, sehr viel mehr von persönlichen Beziehungen aus. Viel weniger Leser, viel weniger Follower (was keine Wertung ist, ich steh nicht auf die GrößerLängerWeiter-Leserzahlenvergleiche).
    Das macht eine persönlichere Beziehung möglich, das ändert das Verhältnis zwischen Leser und Sender. Nicht zum Positiven, nicht zum Negativen, es ist einfach anders. Aber in einem kleineren Kreis ist dann auch ein anderer Umgang mit Kritik möglich. Da bedeutet Kritik auch etwas anderes, wenn sie von einem bekannten oder sogar befreundeten Menschen kommt. Und – andersherum – wenn ich einen mir bekannten Menschen kritisiere, dann habe ich sicher – wenn man überhaupt davon sprechen kann – eher das »Recht«, dass sich der andere das anhört. Je größer die Menge wird, desto weniger zählt natürlich (dummerweise? praktikablerweise? ich will es nicht bewerten) die Kritik eines einzelnen.

    Und: Wenn ich nur für Bekannte twittere, schreibe, poste, dann ist mir natürlich auch wichtiger, dass Sendung und Empfänger passen. Ist der Kreis groß und anonym, dann bleibt mir irgendwann gar nichts anderes, als ohne Schere im Kopf einfach nur ich selbst zu sein. Aber eben nicht ohne, sondern mit viel mehr Verantwortung. Denn die mir unbekannten Menschen, die sich entschieden haben, mir den Vertrauensvorschuss zu geben und mir zu folgen kennen ja nur meine Tweets und Posts von mir und bewerten mich auch irgendwie danach.
    Und trotzdem: Wenn es dann jemandem nicht passt, dann soll er mich entfolgen. Ich kontrolliere nicht einmal, wer mich entfolgt, es ist mir vollkommen egal. Aber das auch nur, weil ich nur zu einem Bruchteil meiner Follower ein persönliches Verhältnis habe. Aber auch bei denen wäre es mir egal, weil bei denen ist dann das persönliche Verhältnis zu gut, als dass ich ihnen übel nehmen würde, wenn sie meine Politik-/Musik-/Trash-TV- oder andere -phasen mal nicht ertragen.

    • Ja, meine Zusammenfassung war sehr platt und wird deinem Artikel nicht in Gänze gerecht. Doch nach wie vor lese ich aus deinen Artikeln heraus: Kompetent ist der, der richtig filtert und nicht der, der sich vorher überlegt wie das, was er im Netz so von sich gibt, auch in Zukunft ankommen könnte.

      (Vgl. Medienkompetenz im Wandel: „Ist es also Medienkompetenz, voraus zu ahnen, was irgendwann irgendwen einmal stören könnte? Dann machen wir das Web am besten jetzt und sofort zu, denn für alles, was man sagen oder denken kann findet sich auch jemand, den es stört.“)

      Und das ist der Knackpunkt an dem ich mich störe und an dem ich vehement widerspreche. Weder erwarte ich, dass alle im Internet nur noch so tun und machen, wie ich es für schön und gut halte, noch will ich den gelangweilten Nörglern, die ungezielt alles blöd finden, Tür und Tor öffnen.
      Aber ich denke sehr wohl, dass ich, im Übrigen völlig ungeachtet der Art der Beziehung zueinander, auch beim Verfasser eines Textes/Tweets/Statusupdates/ Mail/ younameit eine gewisse Verantwortung und Kompetenz erwarten darf. Das Internet ist ein großer, öffentlicher Raum in den man eben nicht ungefiltert seine Informationen, sein BlaBla, sein Biografie schmeissen sollte. Wir bewegen uns nach wie vor in gesellschaftlichen Normen und handeln nach bestimmten Werten, die sich sicherlich individuell unterscheiden mögen. Und bei dem, was ich sage, muss ich mir als Verfasser bewusst sein, dass ich gegen gängige Normen oder individuelle Werte verstoßen kann. (Um letztlich nach meinen eigenen Werten zu handeln, natürlich. Aber wer in den großen Raum ruft, der darf sich vor dem Echo nicht erschrecken.)
      Ich freue mich auch darüber, wie vielfältig das Internet ist. Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass selber Schuld ist, wer „Fleisch ist Mord-lebt vegan“ twittert und dafür Probleme in der Metzger-Lehre bekommt.

      Es ist furchtbar leicht zu sagen: „Wenn dir was nicht passt, dann guck doch weg, fühl dich einfach nicht angesprochen, gibt ja noch so viel anderes und irgendwen wird’s schon interessieren“. Die meiste Zeit mache ich sogar genau das. Ich denk mir, watt soll ich mich aufregen, ich klick einfach weg. Folge ich einem Unternehmenm, das nur rumspamt, dann entfolge ich eben. Spart mir Nerven und vielleicht sogar Geld.
      Aber nur, weil ich es mir damit so schön einfach machen kann, heißt das doch nicht, dass das die richtige Lösung ist. Es ist sicher die bequemere und die nettere Lösung, keine Frage. Aber nur, weil ich die ganzen Spam-Mails rausfiltern kann und eine Seite, deren Inhalt mir nicht gefällt, schließen kann, heisst das doch nicht, dass ich darüber schweigen muss. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, dann schreib ich da auch eine Kritik drüber, selbst wenn ich als strikter Agatha Christie-Fan zu Tommy Jaud gegriffen haben.
      Natürlich habe ich keinen Anspruch darauf, dass mir alles gefällt, was einer schreibt und wie er es sagt. Und ich habe selbstverständlich auch keinen Anspruch darauf, dass jemand auf mein Geheiß hin sein Verhalten so ändert, wie ich es mir wünsche.
      Ich erwarte aber sehr wohl, dass ich ungehindert meine Kritik äußern darf, wenn ich mir die Zeit nehme, etwas zu lesen und mir der Inhalt nicht gefällt. Dann kann ich hoffen, dass die Kritik überhaupt wahrgenommen wird und ich kann auch höchsten hoffen, dass sich dadurch etwas ändert. Oder auch nicht. Aber ich möchte dann nicht Inkompetenz unterstellt bekommen, nur weil ich nicht einfach auf den ‚ignorieren‘-Button geklickt habe.
      Dass sich dabei alle an gewisse Regeln des Anstands halten muss ich wohl nicht mehr erwähnen. (Auch wenn ich zugeben muss, dass auch mir da schonmal die Hand unglücklich auf der Tastatur ausrutschen kann… 😉 )

      Und im Übrigen stimme ich dir in einem Punkt absolut zu: Natürlich wird die eigene Kompetenz, zu filtern, bei einer wachsenden Menge an Information immer wichtiger. Ich kann ja garnicht mehr alles lesen. Aber dann darf mich der tolle Social-Media-Hecht, dem ich bei twitter aus gutem Grund folge, trotzdem unendlich nerven, wenn er sich in unzähligen tweets wegen einer verlorenen Socke im Selbstmitleid suhlt. Und wenn ich falsch vorauswähle und mir kommt großer Bockmist unter, der sicherlich für den einen oder anderen interessant sein mag, dann werde ich da an einem guten Tag bestimmt auch meine 2-10 Sätze dazu sagen. Aber höflich 😉

      • Bevor ich zu dem Schluß komme, dass wir da tatsächlich vielleicht andere Ansichten haben (oh my god! :) ) zumindest noch eine Anmerkung: Ich bin nicht der Meinung, dass man sich beim Posten nicht Mühe geben darf, ja sogar sollte.
        Aber ich erlebe so häufig, dass Menschen nur ihre eigenen kleinen Maßstäbe beim Lesen anwenden können, dass ich es im Moment immer wieder wichtiger finde, neue Medienkompetenz beim Lesen zu fordern, als mich darüber aufzuregen, dass Menschen halt den gleichen Mist ins ein twitter-Eingabefeld schreiben, den sie auch in einen Uni-Klaptisch ritzen.
        Den Mist aber gabs schon immer.
        Neu ist aber, dass Menschen meinen, andere zu beurteilen, zu zensieren, ihnen Jobs evtl. nicht geben zu wollen, weil sie etwas lesen, was immer da war, aber was bisher unter einem Mäntelchen aus „Anstandsregeln“ verborgen war.
        Da haben wir dann offensichtlich einen anderen Ansatz, aber das macht ja auch nicht viel :)

        • Jetzt gebe ich dir einfach mal uneingeschränkt Recht: Wir sind einfach unterschiedlicher Meinung! 😀
          Das finde ich auch garnicht schlimm, sondern freue mich, dass ein so guter Meinungsaustausch stattgefunden hat.
          Ich belasse es jetzt einfach mal dabei, denn ich denke wir beide haben unsere Standpunkte ausreichend deutlich machen können und werden da auch nicht mehr von abrücken.
          Bis zum nächsten Mal 😉

    • Ohne auf alles eingehen zu wollen, nur kurz ein „Einwand“ bzw eine „Ergänzung“ zur (un)persönlichen Beziehungen – ich habe bei Twitter ü1000, bei Instagram ü5000 Follower aber bei Facebook (privates Profil) kanpp 150 Freunde.
      Worauf ich in diesem (bzw auch deinem) Artikel eingehe ist ein bestimmter Fall, in der eine Person sämtliche Updates (Twitter, Instagram usw.) -ungefiltert- in Facebook eingespeist hat.
      Ich, für meinen Fall, differenziere so, dass ich bei Twitter oder Instagram nicht den Anspruch erhebe persönlich zu sein. Bei Facebook jedoch möchte ich eine persönliche Bindung haben, weil ich eben dort persönliche Kontakte aus meinem realen Umfeld pflege.
      Zum einen möchte ich eben jenen Menschen NICHT ungefiltert meine Tweets oder Bilder vorsetzen, die für die breite Masse gemacht wurden. Sicherlich poste ich manche Tweets oder Bilder, aber eben jene, von denen ich denke, dass sie mein persönliches Umfeld interessiert (und nicht alle!). Zum Zweiten finde ich das automatische Verteilen ziemlich lieblos. Ich finde es sogar beleidigend meinen _Freunden_ gegenüber.
      Darfs nicht ein wenig individueller sein, wenn man „unter sich“ ist?
      ————————-
      Sicher, natürlich kann man mir an dieser Stelle wieder mangelnde Kompetenz durch Filtereinsetzungsunfähigkeit vorwerfen – aber sei es hier, bei Facebook, bei Twitter oder sonstwo, erhebe ich ebenso wie Ellen den Anspruch auf einen mitdenkenden Sender und ich denke ich muss das nicht vertiefen, weil zu dem verantwortungsvollen Handeln und der Kompentenz des Senders schon so viel von Ellen gesagt wurde, wie ich es besser nicht ausdrücken könnte.

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