Indianerfriedhof.

Wir, also mein Mann und ich, sind stolze Besitzer eines transportablen Indianerfriedhofes.
Wie sonst kann es sein, dass wir bisher ausschließlich in verfluchten Wohnungen gelebt haben?
Ganz klarer Fall von Indianerfriedhof. Die rastlosen Geister amerikanischer Ureinwohner ziehen mit uns von einem Ort zum anderen und verwandeln jede Traumwohnung aus bösartigen Rachegelüsten jedes Mal über kurz oder lang in eine Bruchbude.
Da wären bisher: Junkies und Schäferhund-große Ratten im Hinterhof, unerklärliche Brandlöcher im neuen Teppichboden, blanke Stromkabel-Enden hinterm Badezimmerspiegel und daraus resultieren ein wunderhübscher Funkenregen bei Kondenswasserbildung, ein sehr löchriges Dach (Und wir in der Dachgeschosswohnung. Natürlich.) mit anschließendem Monster-Schimmel-Befall, daran anschließend ein Gerichtsverfahren, ein Friteusenbrand (Kurz nach unserem Auszug, aber ich erkenne ein Muster!), verrottete Stromleitungen mit drohendem Kabelbrand, eine undichtes Klo-Rohr und letzte Woche schließlich, DAS:

Ein Wasserfleck auf der Badezimmerwand neben der Hauptwasserleitung.

Ein Wasserfleck. In unserem Badezimmer. Neben der Hauptwasserleitung.
Wir, mit unseren Handwerken mittlerweile schon per Du, natürlich sofort fachmännische Hilfe beordert. Bei der Handwerksfirma scheinen wir nach all den Wohnungstraumata nun unter „DIE schon wieder“ zu laufen und mussten trotz drohender Überflutung bis heute auf dein Einsatz von Super Mario warten. Unser Mario ist Deutsch-Türke und kein Italo-Amerikaner, hat keinen Schnurrbart und er heißt auch garnicht Mario. Aber sonst ist die Ähnlichkeit frappierend, ehrlich! Naja, Klempner ist er immerhin…
Und ebenjener hat nicht lange gefackelt und ZackBumm die Wand zerkloppt. Die Wand sieht jetzt ungefähr so aus:

Loch in Badezimmerwand.

Ein tolles, tolles Loch. Und in dem Loch ein Rohr. Und in dem Rohr? Genau! Ein Loch.
Ein Loch von einem Dübel, um genau zu sein. Inklusive Dübel. Und das Rohr? Nicht die Hauptwasserleitung der Wohnung, wie wir befürchteten, sondern die Abwasserleitung von der Wohnung über uns. Lecker. Das war also Abwasser an unserer Wand. Und nicht unser eigenes. Igitt.
Jetzt grade flext unser Mario-Verschnitt das Rohr aus der Wand um dann unlöchrigen Ersatz einzubauen. Und für nächste Woche hat er mir einen Kollegen versprochen, der kommt und das Loch in der Wand weg zaubert. NÄCHSTE WOCHE SCHON! Ich kann vor Freude kaum an mich halten.
Bis dahin werde ich mich jetzt noch ein bisschen über tote Indianer schlau machen. Wer von euch eine effektive Methode zur nachhaltigen Besänftigung indianischer Geister weiß, der möge mich bitte darüber in Kenntnis setzen. Und für alle Fälle suche ich mir bald einen Heimwerkerkurs. Mit einem Indianerfriedhof im Schlepptau sollte man auf alle Katastrophen vorbereitet sein.
Indianischer Tool-Time-Gruß an alle Klempner! Ellen.
(Bin ich eigentlich die einzige, die das Wort „Klempner“ lustig findet?)

11 Gedanken zu “Indianerfriedhof.

  1. Oh je du Arme :(
    Aber trotz der missgünstigen Umständen momentan bei dir zu Hause, konntest du es in solch eine Form ausdrücken, dass ich mit einem Lächeln in den Tag gehe. Sehr amüsant beschrieben. Ich hoffe auf baldige Besserung der Wohnsituation und vor allem… dass das Schlepptau des Indianerfriedhofs bald reißt!

    • Danke dir, Süße! Wir sind jetzt schon beim Aufräumen, das Loch kommt nächste Woche wech und gestrichen wird dann hoffentlich auch. :*

  2. Ich weiss gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll – ich drücke dich aber, liebe Ellen. Es hört sich nicht so an, als ließest du den Kopf hängen. Nichtsdestotrotz:

    Kopf hoch!

    Eigentlich wollte ich dir hier noch supergeheime Anti-Indianer-Voodoo-Magie-Tricks preisgeben – bis mir gerade einfiel, dass ich jene garnicht kenne.

    Alles wird wieder gut.

    • Danke, danke danke, liebe Heidi! Der Schutt ist mittlerweile weggeräumt und das Badezimmer wieder sauber. Nur das Loch in der Wand steht noch zwischen meinem Bad und einer lobenden Erwähnung in „Schöner Wohnen“. Und weil wir schonmal so dolle dabei sind gehen wir jetzt Farbe kaufen und streichen, allen Indianern zum Trotz, die Küche.

  3. Ich wollte gerade aus dem „Handbuch für Indianderfriedhofnotfälle aller Art“ zitieren, aber dann habe ich festgestellt, dass der Verfasser Stephen King ist und am Ende alle mit Äxten oder Giftspritzen rumrennen. Tut mir leid. Aber du hast trotzdem mein tiefsten Mitgefühl von Wohnungsgeplagter zu Wohnungsgeplagter!

  4. Klepmner heißen bei uns Installateure – vielleicht weil wir den Namen zu lustig fanden? Und was man gegen Indianfriedhöfe machen kann? Das frage ich mcih auch gerade. Ich sag nur: zwei Lichtschalter geschossen, eine Waschmaschine zerstört, einen gebrochenen Wasserhahn, eine kaputte Kühlschranktür, eine kaputte Spülung und mein persönlicher Favorit: eine kaputte Gas- Wassertherme. Das alles innerhalb von zwei Jahren. Wenn das mal nicht Indianerfriedhof ist?

    • Das ist ein ganz, ganz klarer Fall von Indianerfriedhof. In meinem nächsten Leben werde ich Installateur (Das klingt wirklich viel besser als Klempner). Sollte ich bis dahin ein Mittel gegen tote Indianer finden werde ich es dir umgehend mitteilen.

  5. Eine Bekannte hat mal beim nächtlichen Counter Strike spielen einen evangelischen Pastor kennen gelernt. Sie konnte nach einem heftigsten Dämonen-haben-sie-an-ihr-Bett-gefesselt-Albtraum nicht mehr schlafen, woraufhin er mal vorbei kam, mit einem Kreuz durch ihre Wohnung lief (auch wenn evangelische Pastöre sowas nicht machen – aber der Glaube versetzt Berge und vertriebt Indianer und so) und dann war gut.

    (Bitte nicht so ernst nehmen, aber der Zweck heiligt halt manchmal die Mittel)

    • Danke für den Tipp! Ich habe einen katholischen Pfarrer in der Familie, vielleicht sollte ich mich mal an den wenden. Finde katholischen Exorzismus jedoch generell gruseliger als dämonische Indianergeister 😉

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>